You’re there, I’m here – Live Music #4

Im zweiten Live-Musik-Update dieses Jahres gibt es wieder eine Menge zu berichten. In den letzten drei Monaten war ich bei einer ganzen Reihe verdammt guter Konzerte. Aber wie gehabt werde ich mich hier auf drei besondere beschränken. Das heißt es gibt hier nichts zu lesen über Peter Walker live im Blue Room von Third Man Records, nichts über The Kills im großartigen Cannery Ballroom, nichts über Spoon und Blank Range, die ich im Mai im Marathon Music Works gesehen habe, und auch nichts über St. Paul and the Broken Bones, die einen Monat später dort gespielt haben.

TheKillsCanneryBallroom   SpoonBlankRange   StPaulBrokenBones


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Black Lips at the Exit/In in Nashville, Tennessee, on July 17, 2014

Opening Acts: Pujol, Curtis Harding

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Die Black Lips im Exit/In waren das vorerst letzte Rockkonzert, das ich in Nashville besucht habe. Ins Exit/In wollte ich ohnehin schon lange mal gehen. Erstens, weil es eines der ersten Musiklokale war, an denen ich in Nashville vorbeigeschlendert bin. Und zweitens, weil es offensichtlich eine legendäre Kneipe ist, wenn man mal die Namen derer liest, die dort schon aufgetreten sind: Billy Joel, Tom Waits, Leonard Cohen, John Lee Hooker, Neil Young, Dr. John, Canned Heat, Chuck Berry, Muddy Waters, um nur einige zu nennen.

Erwartungsgemäß haben die Black Lips Rockmusik gespielt, die leicht ins Ohr rein ging, aber auch schnell wieder raus. Große Überraschungen gab es da keine. Aber den Leuten hat’s gefallen. Für manche war das Bier zu stark, und sie wurden von den Wachdienst-Angestellten auf freundliche, aber bestimmte Weise durch die Holztüre auf der Raucherterrasse auf die Straße hinaus entfernt. Drinnen ging währenddessen das crowdsurfen, stagediven und pogen weiter.

Mir haben allerdings nicht die Black Lips, sondern – mal wieder – eine Vorband am besten gefallen, und zwar Curtis Harding. Die erste Vorgruppe, Pujol, hat mich mit ihrem poppigen Punkrock noch ziemlich gelangweilt. Das einzig unterhaltsame an Pujols auftritt war, der etwas kleinwüchsigen und leicht dicklichen Schlagzeugerin bei der Arbeit zuzuschauen. Als zweite Vorgruppe hat dann allerdings Curtis Harding mit seinem Soul/Rock-Sound für rundum gute Laune gesorgt. Von der ersten Sekunde bis zum letzten Song war ich ziemlich begeistert, und so habe ich mir gleich an Ort und Stelle das Album gekauft.

Letzten Dienstag habe ich dann gelesen, dass Curtis Harding jetzt mit Amerikas Lieblingsgitarrist Jack White auf Tour ist, und bei dessen Shows im August im Vorprogramm spielt. Das dürfte seinem Bekanntheitsgrad einen heftigen Schub geben. So schnell kann’s gehen.

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{t[w]o}

Arctic Monkeys at the Iroquois Amphitheater in Louisville, Kentucky, on June 14, 2014

Opening Band: White Denim

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Die Tickets für das Arctic Monkeys Konzert in Louisville hatte ich schon vor mehreren Monaten gekauft. Dementsprechend hatte die Vorfreude lange Zeit zu wachsen. Und so bin ich am Samstag, den 14. Juni, voller Vorfreude in Richtung Louisville, KY, aufgebrochen. Mary kam auch mit, und weil sie am Nachmittag noch arbeiten musste, sind wir erst gegen 17 Uhr losgefahren.

Von Nashville nach Louisville sind es etwa 175 Meilen, und so haben wir für die Strecke ca. 2 Stunden gebraucht. Kurz vor der Ankunft viel mir dann aber an meiner Digitaluhr auf, dass Louisville eine Zeitzone weiter östlich liegt als Nashville – Eastern Standard Time, und nicht Central Standard Time. Man fährt zwar hauptsächlich in nördlicher Richtung, aber eben auch leicht nach Osten. Und da sowohl Nashville als auch Louisville jeweils sehr nahe am Rand der jeweiligen Zeitzone liegen, war es bei unserer Ankunft über drei Stunden später, obwohl wir nur gut zwei Stunden unterwegs waren.

Die Vorband White Denim, auf die ich mich auch ziemlich gefreut hatte, hat noch gespielt, als wir auf dem Parkplatz das Auto abgestellt haben. Als wir dann aber an den Ticketkontrolleuren vorbei im Inneren des Iroquois Amphitheater angelangt waren, hatte die Band die Bühne schon verlassen. Dumm gelaufen. Aber egal, dachten wir uns, schließlich hatten wir White Denim schon im März in Nashville gesehen.

Das Iroquois Amphitheater in Louisville hat einen zweigeteilten Zuschauerraum: die untere Hälfte ist überdacht, und teilt sich das Dach mit der Bühne. Die obere Hälfte hingegen besteht aus Sitzreihen unter freiem Himmel. Die Platzwahl war beim Konzert frei. Als wir reinkamen, haben wir uns natürlich erst mal ein Bier gegönnt, und uns dann etwas weiter oben, in der nicht überdachten Hälfte, zwei Plätze gesucht. Die Sicht war zwar in Ordnung, aber ein bisschen weit weg kam uns die Bühne dann doch vor. Also, bevor es losgeht, flugs nach unten gelaufen, und geguckt ob da noch was geht. Und es ging. Beim runtergehen fiel uns schon auf, dass, je weiter wir nach vorne kamen, die Menschen im Publikum immer jünger wurden. Während oben Leute der Altersklassen Mitte zwanzig bis Über-50 gesessen hatten, war ganz vorne nur noch junges Gemüse.

Auch die untere Hälfte der Tribüne ist komplett bestuhlt, allerdings haben die Ordnungskräfte erlaubt, vorne direkt vor der Bühne zu stehen. Dementsprechend waren in den ersten zwei oder drei Reihen noch ein paar Sitzplätze frei, die man von weiter hinten nicht gut sehen konnte. Also haben wir uns zwo Plätze in der zweiten oder dritten Reihe ergattert, und entspannt am Bier genippt. Das war denn auch recht bald leer, und die nächste Runde sollte her. Also bin ich wieder los.

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Als ich zurückkam, fiel mir dann auf, dass ich der einzige Mensch weit und breit mit Bier in der Hand war. Und dann war mir klar, dass Mary und ich, abgesehen von vereinzelten Elternbegleitungen, die einzigen Personen im drinking age waren. Der Altersschnitt um uns herum war so weit vorne auf etwa 15 Jahre zusammengebrochen. Aber dann war es irgendwie auch schon zu spät. Damit wir uns nicht so alt vorkamen, haben wir mit einer Gruppe 14-16–jähriger das Gespräch gesucht: „Woher kennt Ihr denn die Arctic Monkeys?“ – „Seit letztem Jahr, von dem neuen Album.“ Und dann hab ich mal nachgerechnet. Als das erste Album rauskam war ich 20. Und das ist jetzt acht Jahre her.

Naja, es war ein bisschen komisch unter dem Haufen halb so alter dort rumzustehen, aber mit Bier und Begleitung ließ es sich aushalten. Von den Arctic Monkeys selbst war ich dann aber wirklich enttäuscht. Die schienen wie ein lebloser und loser Haufen Tour-Zombies ihren Stiefel runterzuspielen. Musikalisch war das zwar alles ordentlich dargeboten, allerdings ohne jegliche Begeisterung, und komplett ohne Improvisationen oder sonstige besondere Momente. Da hätte auch jemand ne CD abspielen können.

Wahrscheinlich war die Band einfach schon zu lange auf Tour, und da kann ich es auch verstehen, wenn irgendwann die Luft raus ist. Das Konzert war also kein besonders tolles – der Abend insgesamt war aber trotzdem sehr lustig. Und der ganze Trip nach Louisville – bald mehr dazu auf dieser Seite – hat sich natürlich trotzdem gelohnt.


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Jack White at the Saenger Theater in New Orleans, Louisiana, on June 3, 2014

Opening Act: Kelley Stoltz

III

Anfang Juni war ich in New Orleans. Ganz zufällig war die Wahl des Zeitpunkts nicht, denn am Dienstag, den 3. Juni hat dort Jack White ein Konzert gegeben; genau eine Woche vor der Veröffentlichung seines neuen Albums “Lazaretto.” Und dementsprechend gab es eine ganze Reihe neuer Songs zu hören. Aber der Reihe nach.

Seit Ende Mai ist Mr. White wieder auf Tour. Das Konzert in New Orleans war erst das fünfte auf der Tour, und bis dahin sollten nur Auftritte im Süden der USA stattfinden. Ich hatte also die Erwartung, einen frischen, und nicht vom langen Herumreisen ausgelaugten Jack White zu erleben. Außerdem war die Vorfreude groß wegen der Spielstätte. Für die Auftritte in den USA hat Mr. White sich keine riesigen Konzerttempel oder Stadien ausgesucht, sondern Orte, die zwar etwas mehr Gästen Platz bieten, aber noch eine Größe haben, die eine einigermaßen persönliche Atmosphäre versprechen. Das Saenger Theater, das erst im Herbst letzten Jahres wiedereröffnet hat, fasst schätzungsweise etwas mehr als 2,000 Zuschauer.

Obendrein hatte ich noch Early-Entry Tickets, d.h. die Erlaubnis vor dem offiziellen Öffnen der Türen reinzukommen, um bspw. Fanartikel wie T-Shirts oder Poster ohne nervtötendes Schlangestehen zu kaufen. Allerdings wusste ich nicht so genau, wann die Türen überhaupt öffnen sollten, und außerdem wollten wir auch am Nachmittag noch etwas von der Stadt sehen, sodass ich von der Möglichkeit keinen Gebrauch gemacht habe.

Gegen sieben Uhr abends haben wir uns also gemütlich auf den Weg zur Canal Street gemacht, und zwar mit dem berühmten Street Car. Wir waren dann schon so spät, dass es gerade noch gereicht hat, um im Eingangsbereich an der Bar ein überteuertes Budweiser zu kaufen ($7), das Abendessen musste aufgrund der nachmittäglichen Bummelei durchs French Quarter leider auf später verschoben werden. Dann haben wir noch die letzten anderthalb Songs der Vorgruppe gehört. Eigentlich schade, denn das Album von Kelley Stoltz aus dem letzten Sommer mag ich ziemlich gerne, und ich hätte gern mehr von dessen Auftritt gehört.

Nach Kelley Stoltz wurde dann erst einmal fleißig die Bühne umgebaut, was mir Gelegenheit gab, die Inneneinrichtung des Konzertsaals unter die Lupe zu nehmen. Es gibt im Saenger Theatre auf dem Unterrang drei Blöcke, und über der hinteren Hälfte der Plätze einen großen Balkon. Darüber, in ca. 12m Höhe, hängt eine samtblaue, leicht gewölbte Decke mit künstlich leuchtendem Firmament. Wir saßen unten im rechten Block, vierte Reihe. Ziemlich gut, die Plätze, wenn denn auch beim Konzert eh der ganze Saal durchweg stand, und niemand sitzen blieb. Aber so mussten wir uns wenigstens nicht den Weg nach vorne kämpfen, um gute Plätze zu haben, denn weit vorne waren wir schon.

Nach etwas über einer halben Stunde, ich hatte mittlerweile wirklich großen Hunger, und ärgerte mich über das verschobene Abendessen, ging es dann los. Erster Song: High Ball Stepper.

Im Anschluss kam direkt ein alter White-Stripes-Song, Dead Leaves And The Dirty Ground. Da das eins meiner liebsten White-Stripes-Lieder ist, und es mir irgendwie nie langweilig zu werden scheint, wurde meine Laune trotz des leeren Magens besser. Dann gab’s eine knappe Begrüßung, die etwas überraschend daherkam:

New Orleans, you’re there, I’m here!

Was soll das denn heißen? Naja, auch egal, solche Ansagen gehen am besten runter mit einer Prise Humor. Danach ging es weiter mit einer Mischung aus Liedern der beiden Solo-Alben, und Liedern von den anderen Bands, in denen Jack White spielt bzw. gespielt hat: The Dead Weather, The Raconteurs, und natürlich The White Stripes.

Insgesamt war es mit Sicherheit ein gelungener Auftritt, aber leider sprang der Funke bei mir nie so richtig über. Das kann natürlich diverse Gründe haben, wie zum Beispiel ohne Abendessen ins Konzert gehen, oder auch die Erwartungshaltung. Jedes mal, wenn ich Jack White auf der Bühne sehe, und das wurde mir nach diesem letzten Auftritt noch mal so richtig bewusst, erwarte ich eigentlich ein The White Stripes Konzert. Die gibt es aber leider nicht mehr – seit ca. sieben Jahren mittlerweile – und insofern ist das natürlich keine optimale Haltung. Nicht, wenn anstelle von nur zwei Leuten eine komplette Rockgruppe mit Bass, Schlagzeug, Keyboards, Fiddle und Harmonie-Sängerin die Bühne füllt.

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Unterm Strich möchte ich aber noch hinzufügen, dass ich zwar die Arctic Monkeys und auch Jack White live auf der Bühne – aus ganz unterschiedlichen Gründen – nicht so großartig fand. Aber die jeweiligen letzten Alben möchte ich trotzdem nicht missen. AM von den Arcitc Monkeys lief bei mir ein knappes Jahr lang mindestens einmal pro Woche, und Lazaretto hat auch ein paar richtig gute Songs. Zum Beispiel I Found The Culprit, Black Bat Licorice, oder High Ball Stepper (s.o.); einfach mal reinhören. Und wenn ich schon dabei bin: natürlich auch White Denims Corsicana Lemonade, eins meiner Lieblingsalben vom letzten Jahr.

 

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2 thoughts on “You’re there, I’m here – Live Music #4

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  2. Pingback: Louisville, Kentucky | aurelville

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