Gatefold your mom

Die Schallplattenindustrie ist mal wieder unter Druck. Die Großen machen den Kleinen das Leben schwer. In so einer Situation hilft erfahrungsgemäß nur eins: Innovation.

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Denkste. So zum Beispiel bei den “kleinen” Elektro-Labels Kompakt aus Köln und Warp Records aus London. Bzw. bei den jeweiligen Plattenpresswerken, die Kompakt und Warp mit Vinylpressungen und den dazugehörigen Hüllen versorgen. Da hat man sich anscheinend was neues ausgedacht, um Schallplatten ansprechend zu präsentieren. Vielleicht ist das Modell auch schon alt, und es wurde nur wiederentdeckt. Auch egal, weil: klappt sowieso nicht.

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Darum geht es hier: nervige Verpackungen, missglücktes Produktdesign, Form follows überhaupt nix, runtergefallen kaputt (worst case). So gesehen zuletzt bei zwei Alben, die eigentlich was besseres verdient hätten: The Orbs Moonbuilding 2703 AD (Special Edition) und Aphex Twins Syro. Da fragt man sich als geneigter Plattenspieler doch: haben die Würstchen, die sich das ausgedacht haben, jemals eine Schallplatte aus einer Hülle rausgezogen um sie auf den Plattenteller zu legen? Kaum vorstellbar.

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Der Aufbau ist folgendermaßen: die beiden Alben bestehen aus drei Platten, und entsprechend hat die Außenhülle drei Fächer. Wenn man die Platte flach vor sich auf dem – hierfür leider nötigen – mindestens 120cm langen Untergrund liegen hat, guckt man logischerweise auf den Deckel, auch Cover genannt. In dem Deckel ist die erste Platte versteckt, ein Schlitz befindet sich an der rechten Kante. Wenn man nun also, dem Produkt ganz intuitiv folgend, den Deckel (mit Platte drin) nach links aufklappt, stellt man fest, dass der Deckel nicht nur rechts einen Schlitz hat, sondern auch links, bzw. innen. Die Folge: beim Aufklappen der Hülle rutscht Vinyl #1 nach unten weg. Also muss man es aus der Außenhülle heraus ziehen, bevor man sie aufklappt. Leider steht das aber nicht in der Anleitung (die es nicht gibt).

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Folge: die Innenhülle verkantet, und es gibt die ersten eingedöttschten Ecken. Daraus gelernt, macht man sich daran, das Vinyl #2 aus der Außenhülle zu ziehen, und zwar dies mal bevor man den nach rechts aufzuklappenden Teil bewegt. Dann wird nach rechts aufgeklappt, um schließlich die letzte der drei Scheiben freizulegen. Hier erreicht die Funktionalität ihren Tiefpunkt, denn das Herausziehen von Vinyl #3 erfordert, dass die Hülle flach auf dem Tisch liegt. Es sei denn, man ist jetzt schon so genervt dass einem das Cover völlig egal ist; dann sollte man es am besten nicht nur verbiegen, zerbeulen und zerknicken, sondern direkt zerreißen (Tip!).

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Die dritte Platte befindet sich sozusagen im Boden der Hülle, und dieser hat – Überraschung – genau wie die ersten beiden sowohl links, als auch rechts eine Öffnung, aus der man die Platte herausziehen kann. Problem dabei: wenn man links ziehen will, rutscht sie in der Regel rechts runter (wegen Neigung), und umgekehrt. Und deshalb wieder Verkanten der Innen- in der Außenhülle. Und so weiter.

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An sich ist das alles ja halb so wild. Schließlich geht es hier nur um Musik, und bei einem Album, das eine Stunde lang oder sogar mehr ist, kann man auch mal drei bis fünf Minuten auf das Auspacken aufwenden. Und am Ende bekommt man ja doch alle Platten aus der Hülle hinaus, und auch hinein gehen sie irgendwie wieder. Jaja jajaja.

ABER: es geht auch anders. Das zeigt unter anderem das Berliner Label Pampa Records. Da erschien vor nicht allzu langer Zeit DJ Kozes Reincarnations Part 2. Genau wie die anderen beiden Alben besteht auch diese Remix-Compilation aus drei Vinylscheiben. Aber, anders als bei den viel zu kompliziert und unpraktisch verpackten Alben auf Kompakt und Warp, hat man sich bei Pampa glücklicherweise entschieden, alle drei zusammen in eine Hülle zu packen. Einfach und gut. Wenn man das Album hören will kann man gleich alle drei Platten gleichzeitig rausziehen und dann in den Innenhüllen aufeinander/nebeneinander ablegen. Das geht dann auch ohne trial & error – und ohne Anleitung.

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4 thoughts on “Gatefold your mom

  1. oder, um es mit den Kindern vom Deich zu sagen:
    Also letztens hab’ ich so ‘n Zitronenjoghurt gegessen und dann war der alle und dann hab’ ich so den Löffel reingestellt und dann ist der immer umgefallen der Becher! Also das fand’ ich echt schwach vom Universum.
    Ganz ehrlich, das ist mehr als lebensgefährlich.

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